Rathaus Brauerei – Reinhard Knispel im Gespräch

Unsere Mitglieder im Rampenlicht


12 Fragen an unser Vereinsmitglied Reinhard Knispel der Rathaus Brauerei


Was ist dein Hauptantrieb hinter der Leidenschaft für das Brauen?

Mein Hauptantrieb ist die Leidenschaft für gutes Bier und das traditionelle Handwerk. Es begeistert mich, aus wenigen natürlichen Zutaten etwas Besonderes zu schaffen und Menschen mit meinen Bieren Freude zu bereiten. Gleichzeitig motiviert mich die Möglichkeit, immer wieder neue Rezepturen und Geschmacksrichtungen zu entwickeln.


Was machst du als Erstes an einem Brautag?

In den frühen Morgenstunden, wenn in der Brauerei noch Ruhe herrscht und die Welt langsam erwacht, beginnt unser Brautag. Noch bevor im Restaurant die Hektik des Tages einsetzt, sind nur mein Geselle und ich vor Ort. Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick über die anstehenden Arbeiten und bereiten den Tag vor. Dann werden der Dampfkessel und die Maschinen eingeschaltet, damit die Anlage langsam zum Leben erwacht. Währenddessen kontrolliere ich die Brauerei, höre auf die Geräusche der Maschinen und prüfe, ob alles bereit für den Brauprozess ist. Diese ruhigen Stunden am Morgen haben ihren ganz besonderen Reiz. Sie bieten Zeit für Konzentration, Sorgfalt und die Vorfreude auf das, was im Laufe des Tages entstehen wird, bevor die Brauerei und das Restaurant von Leben erfüllt werden.


Welches Bier steht bei dir zu Hause immer im Kühlschrank?

Das hängt ganz von der Jahreszeit und dem Anlass ab. Meistens findet man bei mir ein erfrischendes Helles oder auch ein kühles Weissbier im Kühlschrank. Wichtig ist mir dabei, dass es ein ehrliches, handwerklich gebrautes Bier ist. Ich schätze die Qualität der Rohstoffe, die Braukunst und den klaren Charakter solcher Biere. Als Brauer liebe ich die Vielfalt, doch oft sind es die klassischen Bierstile, zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre.


Erinnerst du dich an dein erstes Bier? Wann, wo, wie?

Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Die Erinnerung daran ist vermutlich irgendwo zwischen dem ersten Oktoberfest und dem ersten Masskrug verloren gegangen.


Was macht ein Bier für dich einzigartig?

Bier ist für mich einzigartig, weil schon die Mönche wussten, dass man aus vier einfachen Zutaten etwas Himmlisches schaffen kann. Wer bin ich, daran zu zweifeln?


Ein neues Bier, das du in den letzten Monaten entdeckt hast?

Ich entdecke laufend neue Biere. Das letzte, das mich überrascht hat, war eines, bei dem ich nach dem ersten Schluck dachte: «Das muss ich noch einmal probieren» – rein zu wissenschaftlichen Zwecken natürlich.


Wofür bist du der FSB-Community dankbar, was schätzt du besonders?

Ich bin dem FSB dankbar, dass er die Interessen der Brauereien vertritt, den Austausch untereinander fördert und sich für die Schweizer Bierkultur einsetzt. Und natürlich dafür, dass er uns immer wieder daran erinnert, dass Bier mehr ist als nur ein Getränk – es ist gelebtes Handwerk und ein Stück Tradition.


Was ist das Ausgefallenste, das du jemals in ein Bier eingebraut hast?

Zu den ausgefallensten Zutaten, die ich bisher in einem Bier verwendet habe, gehören Heu, Kardamom und Limetten. Jede dieser Zutaten bringt ihren eigenen Charakter mit: Heu sorgt für eine dezente, natürliche Note, Kardamom für würzige Aromen und Limetten für eine frische Zitrusnote. Gerade die Kombination ungewöhnlicher Zutaten eröffnet spannende Möglichkeiten, neue Geschmackserlebnisse zu schaffen.


Welche verrückte oder ungewöhnliche Geschichte steckt hinter einem eurer Biere?

Eine der aussergewöhnlichsten Geschichten steckt hinter unserem Dosenbier mit Snacks. Die Idee wurde vom Gründer der Rathaus Brauerei, Eckhard Schwöbel, entwickelt und war von Anfang an etwas Besonderes. Das Bier wurde selbst abgefüllt und mit einem patentierten, aufsteckbaren Trinkbecher kombiniert, der mit Snacks befüllt wurde. Für uns war das ein sehr aufregendes und innovatives Projekt, weil es weit über das klassische Bierbrauen hinausging. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt waren viel Kreativität, Entwicklungsarbeit und handwerkliches Geschick gefragt.


Welche Orte oder Umgebungen inspirieren dich am meisten, wenn es um neue Bierideen geht?

Mich inspirieren vor allem Landschaften, Düfte und besondere Stimmungen. Eine frische Meeresbrise, der Duft von Heu auf einer Sommerwiese oder laue Sommerabende mit Freunden können die Grundlage für neue Bierideen sein. Auch Aromen aus der Natur, wie beispielsweise Limetten mit ihrer frischen Zitrusnote, geben oft spannende Impulse für neue Kreationen. Für mich beginnt jede gute Bieridee mit einem Erlebnis – einem Duft, einer Erinnerung oder einem besonderen Moment in geselliger Runde, den man geschmacklich in einem Bier einfangen möchte.


Was wärst du, wenn nicht Geschäftsleiter der Brauerei?

Wenn ich kein Braumeister geworden wäre, wäre ich vermutlich Forscher oder Entwickler geworden. Mich hat es schon immer gereizt, den Dingen auf den Grund zu gehen, Zusammenhänge zu verstehen und neue Ideen zu entwickeln. Diese Neugier und der Wunsch, Bestehendes stetig zu verbessern, begleiten mich bis heute – und genau das macht für mich auch den Reiz des Brauens aus.


Wenn eure Brauerei Musik wäre, welche wäre es?

Wenn unsere Brauerei Musik wäre, dann wohl ein Stück wie der Boléro. Es beginnt ruhig und leicht, entwickelt sich Schritt für Schritt weiter, gewinnt an Tiefe und Charakter und steigert sich bis zum grossen Finale. Ähnlich verhält es sich auch mit unseren Bieren. Sie begleiten einen durch den Tag – vom leichten Genuss am Morgen oder Mittag bis zu den kräftigeren und komplexeren Aromen am Abend. Immer mit einem roten Faden, aber nie langweilig.


Herzlichen Dank, Reinhard!